Keramik

Wichtig für das Verständnis und die Interpretation eines Siedlungsgebietes und Heiligtums ist die Auswertung der zu Tage gebrachten Kleinfunde. Insbesondere die Keramik kann hierbei als tägliches Gebrauchsgeschirr einen guten Einblick in die Ausstattung und Nutzung des Heiligtums bieten, Gewohnheiten und Selbstverständnis der ansässigen Bevölkerung beleuchten sowie Handelskontakte mit umliegenden Siedlungsplätzen aufdecken. 

Keramikfunde vorhellenistischer Zeit lassen vermuten, dass eine Nutzung des Dülük Baba Tepesi als Kultort möglicherweise bereits vor der späten Eisenzeit begonnen hat. Die Bearbeitung der vorhellenistischen Keramik durch Birgül Öğüt M. A. aus München bildet seit 2009 ein neues Projekt der Dolichegrabung, dass für das Verständnis der Frühzeit des Heiligtums von besonderem Interesse ist.

Weiterhin dokumentiert die Keramik die Kontinuität der Nutzung des Dülük Baba Tepesi. Aus allen Zeitstufen können Keramikfragmente geborgen werden. Vor allem mit der frührömischen Zeit nimmt der Anteil der Keramik auf dem Grabungsplatz zu. Hervorzuheben sei hierbei die sogenannte Eastern Sigillata A (ESA), die ab der Mitte des 2. Jhs. v. Chr. produziert und bis in die zweite Hälfte des 2. Jhs. n. Chr. überregional exportiert wurde. 

Die für ein Heiligtum zu erwartende Kultkeramik oder Gefäßdeponierungen aus römischer Zeit, konnten bislang nicht entdeckt werden, was möglicherweise mit der Auslegung eines Basaltplattenpflasters in der Kaiserzeit in Zusammenhang steht, da so keine Funde in den Boden gelangen konnten.

An der Keramik der spätrömischen und islamischen Zeit lässt dich dennoch sehr deutlich der Wandel der Nutzung und der Bedeutung des Platzes nachvollziehen. 

Das Keramikaufkommen dieser Zeit ausgesprochen breit gefächert. Es bietet zum einen für den nordsyrischen Raum typische Waren und Formausprägungen, beispielsweise die sogenannte Brittle Ware, Bemalte Nordsyrische Amphoren, zahlreiche Fragmente von Late Roman C-Tellern und noppenverzierte Tonlampen mit Griffknubben. Weiterhin zeigt die polychrom glasierte Keramik einige schöne Schälchen, teils mit sogenannter Sgrafitto-Technik verziert. Ein chinesisches Importstück liegt möglicherweise mit einem Bodenfragment eines sogenannten Mokka-/Kaffetäschen vor, das in die letzte Nutzungsphase des Dülük Baba Tepesi datiert und gemeinsam mit Fragmenten von Pfeifenköpfen die Gewohnheiten der ansässigen Bevölkerung dokumentiert.  

Die Keramikfunde der unterschiedlichen Zeitstufen dokumentieren eindrücklich die Kontinuität der Nutzung des Dülük Baba Tepesi. Vor allem mit der frührömischen Phase nimmt der Menge der Keramik zu. An der Keramik der spätrömischen und islamischen Zeit lässt sich sehr deutlich der Wandel der Nutzung und der Bedeutung des Platzes nachvollziehen. Neben Tafel- und Kochgeschirr treten nun insbesondere Vorratsgefäße – darunter bis zu 1m hohe Pithoi - und Amphoren in Erscheinung, die mit der Produktion und Vorratshaltung von Lebensmitteln auf dem Berg in Zusammenhang stehen

Die Aufnahme und Bearbeitung der Keramik der hellenistischen bis mittelalterlichen Keramik steht vor Ort unter der Leitung von Eva Strothenke und Constanze Höpken. Eine Vorlage dieser Keramik ist Gegenstand eines Dissertationsprojektes von Eva Strothenke.

Kontakt:

Eva Strothenke M. A.

eva.strothenke [at] uni-muenster.de